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Letzte Woche begann der therapeutische Teil meines Selbsthilfebuches. Nachdem ich zunächst Achtsamkeit und Ruhe erlernen sollte, bin ich jetzt daran, in mich positive Gefühle hineinzupflanzen, um aus dem Depressions Sog hinauszukommen und meinem Gehirn die Chance zu geben, neue Strukturen anzulegen, die depressive Denkmuster überschreiben oder umgehen sollen. Die Idee ist, dass man mit Depression tatsächlich nicht anders kann, als bestimmte Arten von Gedanken zu haben, wenn man dem Gehirn seinen Lauf lässt, weil die Depression durch jahrelanges „Training“, durch die mit ihr einhergehende Ausschüttung von Stresshormonen und das Ausbleiben von Glückserlebnissen einen Pfad ins Denken gefressen, einen Fingerabdruck im Gehirn hinterlassen hat. Positive Gedanken zu evozieren und bewusst und nachdrücklich zu denken, ist ein erster Schritt aus diesem Malstrom. In der vergangenen Woche hatte ich deshalb die Aufgabe, eine Meditation über die Eigenschaft des Mitgefühls zu machen. Drei Mal ist mir das gelungen und von mal zu mal ist mir die Visualisierung (die Farbe meines Mitgefühls. Oh ja…) leichter gefallen. Mein Mitgefühl leuchtet knallorange. Das passt schon. Die Meditation über die Eigenschaft ist mir aber von mal zu mal schwerer gefallen, ich bin beim zweiten Mal in eine Mantrameditation gerutscht, denke aber, das ist nicht schlimm – die Hauptsache ist der Appell an die Empathie. Ein wesentlicher Punkt dabei ist, nicht nur die Empathie anderen gegenüber zu betonen, sondern auch mit sich selbst freundlich umzugehen. Und das ist mir diese Woche in der Tat geglückt, zwar nicht immer, aber doch manches mal. Ich konnte mich gutsein lassen, auch, wenn ich mich entsetzlich fand und mein Verhalten als irgendwie schlecht beurteilen wollte. Ich habe außerdem ein paar Sachen gewagt letzte Woche und mich nicht von Ängsten und anderem Hirnkram hindern lassen. Panikattacken hatte ich auch keine mehr. Hurra.

Der Herrimhaus hat sehr viel Zeit mit dem Löwen verbracht (er ist viel da, weil er irgendwie Urlaub hat), das war gut, für die beiden, für mich, für den ganzen Kram, den ich erledigen wollte und ich bin gespannt, wie das wird, wenn das nochmal anders ist. Ich habe nicht das Gefühl, gerade, nutzlos und überflüssig zu sein, wenn ich das Kind nicht versorge. Und auch nicht, eine grauenvolle Mama zu sein, wenn ich nicht immer nur mit dem Kind sein will (ja. ich weiß, aber diese Indoktrinierung kriege ich ganz schlecht aus meinem Kopf). Alles gut gerade, könnte man sagen. Manchmal habe ich sogar positive Gedanken über all die Veränderungen, die man hier im Haus angehen muss. Manchmal.

In dieser Woche wage ich ein Abenteuer. Ich bin auch hier ganz positiv gesinnt und werde berichten. Weiter werde ich mich in der Meditation über Mitgefühl üben, bis ich nächste Woche zurück bin und mich weiter im Kapitel vorarbeite.

Immer weiter. Jippie.