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Als S. am Samstag erzählt, dass sie 14 Monate nach der Geburt ihres Sohnes wieder schwanger ist, wird mir schlecht und ich fange an zu frieren. Den restlichen Tag verlebe  ich in dumpfer Schockstarre, am Abend heule ich ein bisschen viel.
Ich wuensche mir ein zweites Kind und zwar sehr. Das wird momentan allerdings erstens dadurch verhindert, dass wir wirklich nicht viel Sex haben und zweitens, dass ich trotz längerer Stillpausen meine Tage immer noch nicht wieder habe.
Als jemand, der jahrelang mit der ein oder anderen Essstörung zu tun hatte und heute noch oft damit kämpft, was er gegessen hat, ist das für mich dramatischer, als es klingt. Ich habe kein Verhältnis zu meinem Körper und eine verzerrte Wahrnehmung, ich hab mit dem Ding eigentlich nichts zu tun, es ist eine leicht verbeulte Huelle, die im Alter nicht weniger makelbehaftet wird. Sie muss kritisch beaeugt und ununterbrochen beobachtet werden. Fallengelassen geht nicht. Intimität herzustellen fällt mir sehr schwer.
Dazu kommt ein Misstrauen den Fähigkeiten meines Körpers gegenüber. Ich glaube nicht, dass ich hormonell jemals wieder in Schuss sein werde, meine Tage kriege, schwanger werden kann. Weil ich so viel Schindluder getrieben habe und den grössten Teil meines Erwachsenenlebens keinen Zyklus hatte, weil ich zu duenn war.
Ich betrachte die Zeugung des Löwen als grosses Wunder, als Ausnahme und es fällt mir schwer, mir vorzustellen, dass es nochmal gelingen koennte, so ein Wunder. Ich versuche loszulassen, die Idee von einer Grossfamilie ziehen zu lassen und abzuwarten, was passiert, dem Körper eine Chance zu geben und mir selbst. Zufrieden zu sein mit (fast) allem, was passiert.
Ich freue mich für S. und hoffe sehr, dass alles gut geht. Ein bisschen traurig bin ich trotzdem.