Schlagwörter

, , ,

Diese Stadt ist kein Paradies für Kunst am Bau. Graffiti werden meist legal an die obligatorischen Brückenpfeiler gemalt und sind im besten Fall nicht schreiend hässlich.

Weil in der Stadt nicht gesprüht wird, wird getaggt, was manchmal hübsch aussieht und sehr viel geklebt. Aufkleber über Aufkleber bewerben nicht nur Veranstaltungen oder PopUp Stores, Demos oder Hooliganismus, nein, sie sprechen mit uns, den Passanten. Sie sagen uns, wie toll wir sind, wie zufrieden wir sein müssen, in diesem Land zu leben, wie wunderbar der Tag ist. Seit neustem schreibt man sogar mit Kreide (bloß nichts Verbotenes machen!) an Häuserwände, wie glücklich wir alle zu sein haben ob der Umstände. Zuerst fand ich das nett, gesagt zu bekommen, wie super man ist. Mittlerweile graut mir vor dieser harmlosen, beschwichtigenden Schönwetterkunst, die Optimismus und Gleichmut angesichts der Umstände verlangt, die Unterordnung will und, dass wir alle still sind, statt aufzustehen und was anzuzünden (beispielsweise). Mich macht das verrückt, Zufriedenheit und maßvolles Glück vorgeschrieben zu kriegen, von etwas, das im Kern subversiv ist und gegen den Mainstream. Ich will Graffiti und all seine Verwandten nicht in Propagandainstrumente der Mittelmäßigkeit verwandelt sehen und mir soll bitte keiner sagen, dass ich froh sein soll. Echt nicht.