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Gestern Abend saß der Löwe vor seinem Bücherfach und stöberte durch diverse Werke über Feuerwehrautos und Baustellenfahrzeuge. Viele davon sind gebraucht und schon ein bisschen abgetragen, die neuen hat der Löwe intensiv bearbeitet, so dass auch sie eine gewisse Patina haben. Deshalb war ich erstaunt, als er plötzlich ein niegelnagelneues Buch in den Händen hielt. Es sah ganz druckfrisch und propper aus und ich hatte es noch nie gesehen. Beim Titel Meine Milch – wo kommt sie her? dachte ich zuerst „Cool, ein Buch übers Stillen“. Aber: Weit gefehlt, es ist ein Milchwirtschaftspropagandabuch, in dem zwei Kindern – der stets in rosa gekleideten Lotta und einem blaubetuchten Jungen – gezeigt wird, wie unheimlich glücklich Kühe in Deutschlands Ställen sind, wo sie viel Platz und sogar Namen haben, auf die Wiese dürfen, wann sie wollen und wie gerne sie ihre Milch an freundliche Bauern abgeben, von denen sie liebevoll behandelt werden.

Ich hab mich sehr geärgert und dem Löwen erzählt, wie das mit den Kühen ist. Ich war empört. Ummalen geht nicht und so werfen wir das Buch wohl weg. Ein solcher Mist in unseren heiligen Hallen. Kinder anlügen unter dem Deckmantel der Information über Lebensmittel ist das letzte. Und das seltsame ist: Ich weiß nicht, wo das Buch herkommt. War es im Lesepaket unserer Bildungsministerin? Hat es ein Milchbauer vorbeigebracht? War es ein heimliches Weihnachtsgeschenk von einer subversiven antiveganen Uroma? Hat noch Jemand dieses Buch bei sich im Wohnzimmer gefunden?

Darf man kleinen Kindern schon erzählen, wie kacke das alles für die Tiere ist oder muss man ihnen nur sagen, dass es ihnen nicht gefällt, wenn wir ihre Milch trinken und nicht ihre Kälber? Wie handhabt ihr das, Veganer dieser Welt?