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Vor ungefähr einem Jahr habe ich die Yogalehrerausbildung mit dem erklärten Ziel begonnen, zur Ruhe zu kommen. Nun ist im vergangenen Jahr sicher Vieles passiert, aber ruhiger bin ich nicht geworden.

Es fällt mir immer noch schwer, zu erkennen, dass das Leben linear verläuft, dass Dinge nacheinander getan werden können und nicht auf einmal zu bewältigen sind. Ich stehe oft fassungslos vor dem Haufen Zeug, den ich machen will, fange hier ein bisschen an, bastle dort und lasse dann alles liegen, um mich etwas anderem zuzuwenden. Ich mache wider besseres Wissen keine klare Trennung zwischen Aktivität und Ruhe, sondern denke ständig daran, was ich könnte/sollte/müsste, während ich auf der Couch sitze. Ich glaube, dass das Durchziehen dieser Trennung ein strukturierendes Element und somit ein Ansatz wäre, erstens wirklich ruhig zu werden und das Nichtstun genießen zu können und zweitens zufriedener mit der getanen Arbeit zu sein, sie wirklich einmal zu sehen und zu betrachten und vielleicht ok zu finden.

Außerdem bin ich immer noch voller Angst und zu den alten Dämonen sind neue dazugekommen. Ich hab Angst, eine grauenvolle Mutter zu sein, Angst davor, eine Frau zu sein, die der Frauenbewegung ins Knie schießt, weil sie nicht arbeiten geht, Angst, eine unerfüllte Person zu werden, frustriert und nur beschäftigt mit Wäschebergen und Haushalt. Diese Angst lähmt mich manchmal und ich kann ihr schlecht begegnen, mich ihr nicht oft entgegenstellen und ihr sagen, dass sie gefälligst verschwinden soll, weil ich das Alles schon mache. Ich habe immer noch Angst davor, auf meinen Körper zu hören, mich darauf zu verlassen, dass seine Impulse gut und richtig sind und ich ihnen nachgeben kann.

Nein. Ich habe nicht gedacht, dass durch das Yogamachen automatisch alles besser wird und Probleme sich von selbst lösen. Trotzdem denke ich, dass das Yoga mich durchaus ein Stück weitergebracht hat, die Meditation und das Besinnen auf sich selbst, aber auch das Hatha Yoga, das mir hilft, ein besseres Körpergefühl zu haben. Aber es ist noch ein Stück Weg zurückzulegen, es muss an ein paar Schrauben gedreht werden, in mir und an den Strukturen, in denen ich lebe, damit ich mich und die Welt drumherum sein lassen kann, ohne ständig zu hinterfragen, ob das alles so in Ordnung ist. Dafür mag mir das Yogamachen (und das Yogalehren) ein paar Methoden in die Hand geben, anwenden, schauen ob sie passen und gegebenenfalls durch andere ersetzen muss ich sie selbst.