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Als Mutter (auch als Vater?) ist man öffentliche Person, alle Leute fühlen sich dazu angetan, das Verhalten und die Kleidung der eigenen Kinder zu kommentieren und Erziehungsratschläge zu geben.

Darüber hinaus bekommt man auch noch gesagt, wohin man die Kinder mitnehmen darf. In einem Veranstaltungskalender dieser Stadt wird explizit darauf aufmerksam gemacht, dass Kinder bei einem Großteil der Veranstaltung nichts zu suchen haben, denn „Erwachsene haben ein Recht darauf, in Ruhe gelassen zu werden“. Eltern haben demnach kein Recht auf kulturelle Partizipation, es sei denn, sie sperren die Kinder weg, oder übergeben sie Babysitter, Verwandten oder sonstwem. Ganz ähnlich läuft eine Diskussion beim Guardian. Hier wird Licia Ronzulli gelobt, die zwar politisch fragwürdig ist, aber sich immerhin traut, ihre Tochter mit ins Europaparlament zu bringen. Die Kommentare zum Beitrag lassen vermuten, dass die Autorin desselben die einzige ist, die das super findet.

Ich verstehe, dass weinende, rennende, schimpfende Kinder bei klassischen Konzert, im  Stadttheater oder bei der Lesung eher geht so sind. Aber dass man, wenn man Kinder hat, eine strikte Trennung zwischen der Rolle „Eltern“ und der Rolle „arbeitende Person“, „Kulturrezipient“ vollziehen soll, ist befremdlich, lebensfremd und ähnlich dämlich, wie auf Frauen zu schimpfen, die in der Öffentlichkeit stillen. Die Kinder sind da und nicht wie ein Makel zu verstecken, sondern als Teil des Lebens zu begreifen, den man nicht immer nur wegorganisieren muss; der auch mal bleiben darf, mitmachen, sich anschauen kann, was die Erwachsenen so machen den ganzen Tag.

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