Schlagwörter

, ,

Unsere Nachbarin will ihr Kind von der Kita abmelden, weil da zuwenig gefördert wird. Ich weiß nicht, was das bedeutet. Zu wenig Förderung. Vor der Geburt des Löwen habe ich auch an Pekip gedacht, an Musikkurse für Kinder, an Englischstunden für die Kleinsten und an Babymassagen. Jetzt, wo er glücklicherweise schon eine ganze Weile bei uns ist, bin ich immer fester davon überzeugt, dass kein Mensch das braucht, dass das schrecklicher Unsinn ist und ich werde, so befürchte ich, am Ende zu einem Bildungsgegner, zumindest, was Institutionalisierung von Bildung angeht. Der Löwe ist neugierig und umtriebig, er lernt von alleine, was er mit seinem Körper machen kann, ich muss ihm da nicht helfen, ihn hineinschubsen oder unterstützen. Ich spiele mit ihm, ich rede mit ihm, ich lasse ihn in Ruhe, damit er auf der Fensterbank sitzen und die Welt betrachten kann, die draußen vorbeizieht. Ich küsse seinen Bauch, stille und trage ihn, wenn wir Körperkontakt wollen und wenn er Lust hat, kann er auf allem Trommeln, was er findet oder uns mit Melodien verzücken, die er auf seinem Glockenspiel erzeugt. Er hilft mir beim Wäschewaschen und beobachtet genau, wie der Herd funktioniert, er kann den Kühlschrank öffnen und weiß, wie man sich die Zähne putzt. Wir leben alle zusammen und so lernt der Löwe die Welt kennen. Nicht durch Kurse oder Programme. Auch nicht durch ständiges Bespaßen. Nein, wir sind einfach alle zusammen, jeder mit seinen Bedürfnissen, Grenzen und Möglichkeiten und das ist ganz und gar genug der Förderung.

 

Advertisements