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Je mehr der Löwe kann, desto mehr beschneiden wir ihn in seinen Möglichkeiten. Wir hindern ihn daran, die Blume zu zerstückeln, wir halten ihn davon ab, das Tapedeck zu bedienen, wir lassen ihn nicht an den heißen Herd. Grundsätzlich denke ich, dass es unsere Aufgabe als Eltern ist, Sachen, die ihm gefährlich werden könnten (oder die wir noch benutzen wollen), aus seiner Reichweite zu bringen, um so möglichst wenig Situationen aufkommen zu lassen, in denen wir ihn von was wegholen und ihm sagen, dass er das nicht darf. Aber weil das (uns) nicht möglich ist, wird er eben manches Mal geschnappt und woandershin gesetzt, ehe was passiert. Das ist nämlich der Punkt, wir wollen ihn oder Dinge, die wir gerne behalten wollen, schützen und ganz lassen und werden deshalb übergriffig und sagen NeinNeinNein .

Es gibt aber auch Situationen, da werden wir übergriffig, weil es bequem ist. Zum Beispiel, wenn er seit 5 Minuten sein Zähne putzt und ich nicht mehr mit ihm im Bad stehen mag. Dann nehm ich ihm die Zahnbürste weg. Auch wenn er dann kurz weint. Oder wenn er die Windel nicht anziehen mag (versteh ich total, aber für komplett Windelfrei bin ich zu doof) und ich ihn festhalte, statt ihn zu bespielen und zu bespaßen, bis er freudig sämtliche Lagen der Stoffwindel trägt. Ich übertrage meine Eile, mein Gehetztsein und meine Ergebnisorientierung dann auf den Löwen, ich tue so, als wäre wichtig, was bei irgendwas rauskommt, ganz egal, wie man da hingelangt und nehme mir keine Zeit, seine Perspektive einzunehmen, seine Neugierde zu teilen und mich auf ihn einzulassen. Ich bin nicht immer die Ruhe selbst und untergrabe die Autonomie des Löwen. Und ihr?

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