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Gestern hab ich mich das erste Mal länger und ernsthaft mit der Schwester meines Vaters unterhalten. Der ist vor ein paar Jahren gestorben und es war – selbstredend – vor allem in der Pubertät nicht leicht, sein Kind zu sein. Umso mehr hat es mich überrascht, wie stark das Verhalten meines Vaters meinem Bruder und mir gegenüber dem geähnelt haben, worunter er selbst als Kind und Jugendlicher zu leiden hat. Sicher sagt man, dass beispielsweise Gewalt gegen Kinder „vererbt“ wird, also geschlagene Kinder eher zu schlagenden Eltern werden. Aber das auch Taktiken des Psychoterrors sich fortpflanzen und Drohungen fast wortwörtlich an die eigenen Kinder weitergereicht werden, das hat mich sehr unvorbereitet getroffen.

Wie ist das: Ist man einfach Gefangener seiner Erziehung? Meine Hoffnung ist ja, dass man Zyklen durchbrechen, Dinge verarbeiten und dann anders machen kann. Aber ist das vielleicht nur das: Eine Hoffnung und wenn es hart auf hart kommt, läuft dann einfach ein Programm ab, gegen das man fast machtlos ist? Habt ihr Angst davor, dass ihr irgendwas, was euch passiert ist, euren Kindern angedeihen lasst? Ich meine damit nicht, dass man alles anders machen will als die Eltern und eine andere Einstellung zur Erziehung und Großwerden hat, sondern ob es traumatische oder mindestens unschöne Erlebnisse mit den eigenen Eltern gibt, von denen man nur hoffen, nicht aber wissen kann, dass man sie ans eigenen Kind weitergibt?

 

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