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Das Kölner Landgericht hat vor ein paar Wochen religiöse Beschneidungen an Jungen als Körperverletzung klassifiziert. Bei Mädchen sind sich alle einig, dass das falsch und schrecklich ist, dass jemand verstümmelt wird, dass man über ein Kind verfügt und sich an ihm vergeht, wenn man es ungefragt und im Zweifelsfall gegen seinen Willen beschneidet.

Im Fall der Beschneidung von Jungen ist das wohl anders: Wer es den Eltern verbietet, den Sohn zu beschneiden, der gefährdet die Religionsfreiheit. Die Bundesregierung will durch Ausnahmegesetzgebungen die religiöse Beschneidung für Moslems und Juden wieder erlauben. Weil, das Abschneiden der Vorhaut im jüngsten Alter gehört ja dazu und es ist ganz selbstverständlich, dass das auch so bleiben muss. Stirbt ja keiner dran, ist ja alles sauber, wir sind ja in Deutschland.

Das macht mich fassungslos: Kein Mensch in der Bundesregierung redet darüber, dass hier über die Köpfe von Kindern hinweg beschlossen wird, was mit ihren Körpern geschieht. Man nimmt einen irreversiblen Eingriff an ihnen vor, der sie als Teil einer Gemeinschaft ewiglich „auszeichnet“, man härtet sie ab, nimmt ihnen mindestens symbolisch den Schutz und fügt ihnen nicht zuletzt Schmerzen zu. Dabei werden die Kinder nicht gefragt und dieses Nichtgefragtwerden wird auch jetzt nach dem Urteil nicht angezweifelt. Ist halt die gängige Praxis. Würde man genauso handeln, wenn es nicht die scheinbar überflüssige Vorhaut, sondern das erste Glied des kleinen Fingers wäre, was abgeschnitten würde? Sieht man da die Körperverletzung einfach nicht oder setzt man ernsthaft die Religionsfreiheit über das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung des Kindes?

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