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Nachdem er fünft Tage hier rumgelegen ist, habe ich mich endlich aufraffen können, über die Werdung des Ich im Spiegel zu lesen. Der Artikel ist in fast schon ein klassischer Spiegeltitel – ziemlich belanglos und mit überschaubarem Erkenntnisgewinn, wie ich finde.

Der Text warnt vor Übergewicht von Babys, vor Untergewicht von Babys und vor Alkoholdrogenzigaretten, schlagenden Partnern sowie Stress und Depressionen während der Schwangerschaft. Er unterstützt somit zum Einen die Position, dass Schwangersein eben doch Kranksein ist, man sich also schonen und besonders aufpassen muss und stellt damit hohe Anforderungen an die Schwangeren – für das Ungeborene muss der Lebensstil im Zweifelsfall geändert werden. Unabhängig davon, ob man findet, dass das richtig ist, oder nicht, nimmt der Artikel andererseits aber überhaupt keinen Bezug auf die Lebenswirklichkeit von Schwangeren. Denn die können nur in begrenztem Maß ihre Lebensumstände beeinflussen. Sich vom prügelnden Partner trennen und alleinerziehend leben? Mal eben ne Therapie anfangen? Dem Chef erklären, dass man eigentlich lieber nicht arbeiten will, weil der Stress macht, dass das Baby Allergien bekommt? Dem Arzt sagen, dass man trotz der Gefahr einer Frühgeburt keine Spritze für die Lungenreifung will, weil das Kind dann drei IQ Punkte verliert? Alles nicht so einfach und zum Teil lebensfremd. Wer einen solchen Bohei um den Einfluss des Lebensstils auf das ungeborene Kind macht, der sollte sich nicht scheuen, auch zu fordern, dass in der Gesellschaft Platz gemacht wird für die Schwangerschaft und gemeinsam Verantwortung getragen wird für die kommenden Personen und die nicht abgewälzt wird auf die Frauen, die ja sowieso schon zu spät dran sind mit dem Kinderkriegen, es aus unerfindlichen Gründen gar nicht so einfach finden Kind und Karriere zu vereinbaren, nach der Schwangerschaft aussehen sollen, wie zuvor (ganz furchtbare Tipps vom Chirurgen hierzu auch in der Eltern vom Juli 2012). Das aber macht der Artikel nicht, sondern gibt Ernährungsempfehlungen an werdende Mütter und hält sich ansonsten vornehm zurück. Kann man sich sparen.

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