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Ich lese gerade „Bodies“ von Susie Orbach, über das ich ganz zufällig gestolpert bin. Sie versucht darin, dem Unbehagen auf den Grund zu gehen, das so viele Menschen gegenüber dem eigenen Körper spüren und prangert den Druck zur Optimierung und ewiglichen Gesund- und Reinhaltung des Körpers an. Ich finde das ein sehr interessantes und wichtiges Thema. Erstens, weil sich im Essen und dem generellen Gesundhaltungsimperativ eine weitere Facette des Puritanismus zeigt: Gesundsein heißt erstmal verzichten und Disziplin an den Tag legen. Wer raucht oder trinkt und noch dazu keinen Sport macht, der verhält sich falsch, begeht eine Sünde. Wo Religion immer mehr in den Hintergrund rückt, finden wir andere Maßstäbe für das Gute und das Schlechte. Wenn wir nicht mehr daran glauben, in den Himmel zu kommen, müssen wir versuchen, möglichst gesund möglichst lange zu leben, denn danach ist es aus. Im Körperkult und der allgegenwärtigen Unzufriedenheit manifestiert sich aber auch ein weiteres Mal der Kapitalismus, genauer: Die Idee, dass man sich selbst erfinden kann, dass man den Körper haben kann, den man will, wenn man sich nur genug anstrengt, die richtigen Produkte ist, ins Fitnessstudio geht oder sich operieren lässt. Wer dick, dürr oder hässlich ist, ist selbst schuld und muss sich deshalb wiederum schlecht fühlen, denn er holt ja nicht das Maximum aus sich heraus, optimiert sich nicht. Nicht zuletzt aber ist das Buch wichtig, weil ich selbst diesem ganzen Schönheits- und Gesundheitsirrsinn vollkommen auf den Leim gehe. Ich habe Angst vor allem, was nur im Verdacht steht, karzinogen zu sein, versuche, regelmäßig Sonnencreme und Augenlotion zu benutzen und bin immer noch nicht ganz hinweg über meine Schwangerschaftsstreifen. Wenn ich drei Tage hintereinander Kuchen esse, befürchte ich, schrecklich dick zu werden und das wäre das schlimmste…

Ich sehe, dass das idiotisch ist. Das Leben wird gelebt in diesem Körper. Es hinterlässt darauf spuren und das ist gut so, es zeigt, dass Dinge passieren. Leider kann ich das nicht so einfach verinnerlichen – mal gelingt es mir, mal aber auch gar nicht. Wie wichtig es aber nicht nur für mich und meine Zufriedenheit ist, mit diesem Körper zurecht zu kommen, ihn anzunehmen und in gewisser Hinsicht über ihn hinweg zu kommen, sondern auch für den Löwen, der ein gutes Verhältnis zu seinem eigenen Körper nur dann bekommen kann, wenn ihm das vorgelebt wird und wir ihm vermitteln, dass er okay ist, so wie wir okay sind, darauf weist Orbach immer wieder hin und ich hoffe, dass es mir gelingt, mindestens das als Lektion aus ihrem Buch mitzunehmen.

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