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Ich halte mich für eine Person, der es wichtig ist, dass es sowas wie Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern gibt. Meine Eltern haben beide gearbeitet und auch um uns beide gekümmert. Die klassische Rollenverteilung macht unter den herrschenden Verhältnissen die Frau abhängig vom Mann, gibt ihr weniger Rente, lässt sie um Erlaubnis fragen, wenn sie irgendwas kaufen will und identifiziert sie mit dem Kinderhaben und Kinderversorgen. Das sind einige der Gründe gegen das Betreuungsgeld, die ich hier und hier angeführt habe.

Es ist wichtig, dass Frauen aus diesen Rollen ausbrechen (können) und dass Männer ein neues Selbstverständnis bekommen. Voll ok. Was ich aber nicht verstehe, ist, dass an die Stelle der Identifikation von Frau und Mutter die Identifikation von Frau und Arbeit tritt. Das Arbeitengehen von Frauen ist politisch. In Diskussionen kommt es mir oft so vor, als hätten wir alle gefressen, dass man sich in erster Linie beruflich verwirklichen muss, dass die Identität und der Sinn des Seins im Arbeiten liegt, in einem Job, den man liebt. Das finde ich schrecklichen neoliberalen Kapitalismusquatsch. Arbeit nervt. Oft macht sie keinen Spaß. Sie ist in den allermeisten Fällen einfach ökonomisch notwendig, strengt Leute an und macht sie unzufrieden. Ich finde, niemand sollte arbeiten müssen. Weder Männer noch Frauen. Sobald ich aber zu Hause bleibe, ist mein Nichtarbeitengehen auch politisch – ich bin plötzlich gegen Gleichberechtigung, ich lasse mich versorgen, ich, qua Frausein, unterminiere den Feminismus und nicht den Kapitalismus, wenn ich nicht arbeiten gehe, sogar schon dann, wenn ich SAGE, dass ich nicht arbeiten gehen will. Geht Feminismus auch ohne Kapitalismus? Nehme ich nur eine Strömung der Frauenbewegung wahr, die medial irgendwie überrepräsentiert ist? Mag noch jemand das Konzept von Erwerbsarbeit nicht?

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