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In meinen Träumen lebt der Löwe gefährlich. Oft wird er dort – unter meiner mangelhaften Aufsicht – Opfer von gefahren. Er springt aus dem Stubenwagen, fällt vom Wickeltisch oder wird in einen Verkehrsunfall verwickelt. Gestern Nacht hab ich geträumt, ich hätte ihn fälschlicherweise für tot gehalten und beinahe begraben. Ich sehe, dass sich hier wohl meine Angst, eine schlechte, inkompetente, unvorsichtige, egozentrische Mutter zu sein, manifestiert. Mir ist auch in wachem Zustand klar, dass ich mich manchmal für nicht gut genug halte und glaube, alles falsch zu machen, was Sorge und Pflege des Löwen betrifft.

Ich denke aber, in meinen Träumen kommt auch die Angst zum Ausdruck, dass ich ihn schlicht und einfach nicht vor allem Schaden bewahren kann. Jetzt ist er zwar auf mich angewiesen und quasi den ganzen Tag an meiner Seite, ich muss also einfach aufpassen, dass ich keine Gefahr für ihn darstelle. Auf viele Übel in der Welt aber habe ich wenig Einfluss. Krankheit, doofe Kinder in der Schule, Verkehrsunfälle, gegen all das kann ich versuchen, ihn zu wappnen aber bewahren kann ich ihn nicht davor. Vielleicht macht die immer größer werdende Machtlosigkeit die Zeit, in der ich ihn noch so gut wie komplett beschützen kann, umso wertvoller und bedeutsamer, wächst meine Angst, hier zu versagen dadurch. Trotzdem wäre es mir lieb, wenn der Löwe auch in meinen Träumen sicher wäre.

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