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hier wird behauptet, dass Kritik am Betreuungsgeld auf einer unrealistischen und antiquierten Vorstellung von Beziehungen beruht und Daskindversorgen nicht als vollwertige Betätigung anerkennt.

Ich sehe, dass es ärgerlich ist, als traditionsbewusste, unaufgeklärte Frau dargestellt zu werden, wenn man nicht bereit ist, kapitalistischen Idealen (soviel arbeiten wie möglich) zu gehorchen.

Ich denke trotzdem, dass das Betreuungsgeld verfehlt ist. Und eben auch deshalb, weil es von der CSU kommt, die eben ein tradtionelles Familienbild propagiert. Denn zum einen ist die monatliche Zuwendung doch eher ein symbolischer Beitrag zum Leben. Dadurch tut es erstens nichts zur Aufwertung der Aufgabe der Kinderbetreuung, und -erziehung; man bekommt für einen Fulltimejob, der mannigfaltige Qualifikationen fordert sage und schreibe 150 Ocken im Monat.

Zweitens wird es den Leuten mit sehr wenig Geld nicht wirklich helfen (wie sich das mit HartzIV und dem Betreuungsgeld verhält, weiß ich gar nicht) und für gutsituierte ist es ein netter Bonus. Es wird (wie so oft bei familienpolitischen Maßnahmen) nicht nach Bedürftigkeit verteilt. Beim Betreuungsgeld wird belohnt, wer bestimmten Vorstellungen darüber entspricht, wie Männer, Frauen und Kinder zusammenleben sollen. Das Ziel ist nicht, was dafür zu tun, dass es Familien besser geht (sonst hätte man auch über das Betreuungsgeld für Teilzeitmütter sprechen können, wollte man aber nicht), sondern ein Familienmodell zu unterstützen.

Ich glaube weiter nicht, dass dieses Familienmodell ausgestorben ist. Vielmehr ist es so, dass in allen sozialen Schichten und über alle Bildungsniveaus hinweg, Paare mit der Geburt des ersten Kindes tendenziell zu einer traditionellen Familienstruktur – Vater arbeitet, Mutter kümmert und arbeitet weniger oder erst später – zurückkehren. Ein Betreuungsgeld kann dann durchaus als Anreiz gesehen werden, zu Hause zu bleiben.

Das ist nicht intrinsisch schlecht, weil aber unsere Gesellschaft gebaut ist, wie sie gebaut ist, vergrößert es die finanzielle (und im Zuge dessen oft auch emotionale) Abhängigkeit vom Partner, hat Konsequenzen für die Altervorsorge der Frau, legt aus Versorgungszwecken eine Hochzeit nahe und macht den Wiedereinstieg in den Beruf schwierig.

Auch ich habe einen wesentlich älteren Partner, der mehr Geld verdient als ich. Auch ich finde es super, die Aussicht zu haben, im zweiten Lebensjahr des Löwen 150€ im Monat zu kriegen, wenn ich nicht arbeiten gehe. Aber nicht, weil ich will, dass jemand sieht, was ich leiste und mich dafür belohnt, oder weil er es gut findet, wie wir uns als Paar aufteilen. Sondern weil ich ohne Druck zum Geldverdienen leben möchte, weil ich mich dem Zwang des Kapitalismus, irgendetwas erwirtschaften zu müssen, gerne verweigern will. Ich denke, jeder sollte in der Lage sein, Dinge tun zu können, die er wichtig findet, sein Leben so gestalten zu können, wie er will. Das macht das Betreuungsgeld aber gerade nicht möglich, weil es Leute fördert, die eine ganz bestimmte Lebensgestaltung haben, auch wenn ich davon profitieren würde. Eine Lösung ist hier nur das lange herbeigesehnte bedingungslose Grundeinkommen.

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