Sentimentalitäten

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Ich miste konstant aus. Alle paar Monate verteile ich Kleider, Bücher, Kinderspielzeug, Musik und DVDs. Ich verkaufe Sachen im Internet, verschenke an Freunde und Verwandte, tausche und bringe Zeug in den AWO Laden oder zu Oxfam. Was ich habe wird dadurch zwar nicht unbedingt weniger (weil immer wieder Neues dazu kommt), aber das Ausmaß des Zeuganhäufens hält sich in Grenzen.

Bei jedem Ausräumen und jeder Aufräumaktion aber bleibt ein Stapel unberührt. Der Stapel mit Sachen, die mir mein Vater geschenkt hat. Es ist kein großer Stapel und darauf befinden sich hauptsächlich Bücher, die ich nicht gelesen habe. Es ist aber nicht die Ahnung, dass ich diese Bücher irgendwann noch lesen werde, die mich sie behalten lässt, sondern Sentimentalität. Die paar Bücher sind das einzige, was mir von meinem Vater bleibt und sie erzählen viel über unsere Beziehung. Es sind philosophische Bücher auch Philosophiebücher, geschenkt, im Versuch, Kontakt mit mir aufzunehmen, nachdem wir uns lange heftig bekämpft und in Folge dessen voneinander entfernt haben. Sie sind Handreichungen, Bekundungen des Wunsches, mit mir in Kontakt zu kommen, eine Ebene zu finden, auf der wir uns unterhalten und austauschen können, auf der unser Verhältnis wenn nicht produktiv, so doch wenigstens nicht destruktiv ist. Ich habe sie nicht gelesen, das sagte ich bereits. Sie stehen in meinen Bücherregalen in allen Wohnungen an allen Orten und erinnern mich daran, dass es keine Möglichkeit mehr gibt, mit ihm darüber zu reden, was in ihnen zu lesen ist und wie man sein Leben führen soll. Und das ist vielleicht das einzig sichtbare Zeichen seiner Abwesenheit, der einzige Beweis dafür, dass er tot ist. Deshalb kann ich sie noch nicht weggeben.

So geht das nicht.

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Breaking bad ist NICHT die beste Serie der Welt. Meinetwegen ist sie gut und vielleicht erzählt sie schnell, mit teilweise tollen Bildern und spannend eine unwahrscheinliche Geschichte über einen Mann, der sich selbst verliert und nicht anders kann, als immer immer böser zu werden. Aber sie ist nicht die beste Serie der Welt. Das tut so vielen anderen Serien unrecht, vergisst Großartiges und übersieht Offensichtliches. Breaking Bad erzählt nur von Männern, hat oft haarsträubende Drehbücher und wird vor allem durch die stetige Entwicklung des äußeren Geschehens vorangetrieben. Ich schaue das ganz gerne und ich bin gespannt, wie es ausgeht. Aber das unter all den Serien ausgerechnet diese als neues Lieblingskind des seriellen Erzählens hergenommen wird finde ich anmaßend.

Woche 7 und 8. Depression? Welche Depression?

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Ich tue nichts für mein mitfühlendes Selbst. Selten mal eine Achtsamkeitsübung und eine klitzekleine Meditation. Ich versuche zu sitzen und ich versuche vor allem, Sachen gutsein zu lassen. Mich nicht hineinzusteigern in schlechte Gefühle. Das hat vorletzte Woche eher mäßig gut geklappt, der HerrimHause und ich haben in fast jeder freien Minute gestritten. Auch vor dem Kind, das das jetzt richtig mitkriegt und, obwohl wir nicht brüllen “laut” wimmert, wenn wir in gereiztem Tonfall aufeinander rumhacken. Der Herrimhause hat einen wunden Punkt getroffen, als er in irgendeinem Kontext sagte, dass er mehr macht als ich, oder ich sowieso wenig tue und daran knabbere ich seitdem. Denn das ist genau das Gruselgefühl, das ich loswerden will: Unnütz zu sein, Arbeit zu machen für andere und nichts zu können. Und eigentlich ist der Mann auch niemand, der davon überzeugt ist, dass Menschen ständig was leisten müssen, um somit ihr Dasein zu rechtfertigen. Aber er hat es eben gesagt und mich verfolgt es. Dazu kommt eine generelle innere Unruhe und eine Ungeduld, weil mein Bein immer noch kaputt ist und schlecht heilt und mich beim Umhergehen, beim Toben mit dem Löwen und beim Duschen einschränkt und mich am Joggen hindert (und es ist für mich erwiesen: Alles ist besser, wenn ich Joggen gehen kann). Wir gehen in die vierte Woche und es ist immer noch alles Wunde und Jodpflaster.

Aber insgesamt bin ich oker Dinge. Ich hab ein paar Sachen angestupst, und möchte gerne dranbleiben (ja. Das ist ein leidiges Thema. Dranbleiben. Hier im Blog, beim Meditieren, beim Hausrenovieren. Manchmal komme ich mir vor, wie ein müder Teenager, der alles irgendwo abwirft, gerade so, wie er umhergeht. Schultasche dahin, Kaffeetasse dorthin, Mühllbeutel da in die Ecke, aufs Sofa und Nichtstun). Ich mache gute Erfahrungen mit Menschen, das erfreut mich, weil ich mich da manchmal inkompetent oder eingeschüchtert finde. Ich kann ein paar Sachen, die mich stören akzeptieren, als Dinge, die nicht von jetzt auf gleich zu ändern sind und kultiviere also Geduld. In kleinen Dosen.

Was bleibt, egal, was sonst kommt, ist die Einsicht, dass es für mich besser ist, eine Sache zu tun und nicht 1000 gleichzeitig. Dass ich mit meinem Medienkonsum haushalten sollte, weil ich mich sonst wie eine Informationsauffressmaschine fühle und dass es mich erdet und beruhigt, ein paarmal am Tag durchzuatmen und zu schauen, wo und wie ich gerade bin und wie sich das anfühlt, riecht, aussieht, schmeckt und klingt.

Kacko

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Beim Umzug ist irgendwo der Umschlag verlorengegangen, in dem wir das Geld aufbewahrt haben, das der Löwe geschenkt bekommen hat. Gerade jetzt, wo wir wenigstens ein Girokonto bei einer glücklichen Bank für das Kind eröffnen wollen. Ich suche jetzt wie verrückt und stelle mich insgeheim darauf ein, dass ich mein Konto plündern muss, um des Kindes Moneten zurückzugewinnen.

Seid ihr besser organisiert?

6. Woche. uff

die letzten Wochen war hier immer jemand krank oder verletzt (ich hatte einen etwas dummen Unfall mit dem Rasentraktor). Ich lag viel und ich konnte es geniessen, von paar Tage gar nichts zu tun, ich hatte nicht das Gefühl, mich nützlich machen und mich für mein Dasein rechtfertigen zu müssen. Das ist schon aber ich sehe, dass ich jetzt wieder gesTriest werde, Angst kriege und Mut und Zuversicht davonzuschwimnen drohen. Ich versuche im Moment in solchen Situationen meine Gefühle zu betrachten, ohne mich mit ihnen zu identifizieren, mich nicht fällen zu lassen ins OhgottOhgott von Angst und Schuld. Ich atmen und das hilft mir oft, Situationen zu entschärfen, die AbwÄrtsspirale aus Gruselgedanken zumindest zu unterbrechen. Eins nach dem anderen und one at a time. das ist so leicht gesagt aber oft so schwer gemacht.

Ausser Haus

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Wir wollten am vergangenen Wochenende die erste Nacht ohne den Löwen verbringen. Im Hotel schlafen (nur zwei Personen im Bett!) im Bett essen und vielleicht in die Sauna gehen. Der Löwe sollte bei meiner Mama bleiben, quasi in Rufweite vom Hotel entfernt. Sie hat ihn schon öfter ins Bett gebracht, die beiden kennen sich. Alles easy. Allein: Der Löwe wollte wirklich gar nicht. Wir haben uns verabschiedet, ihm gesagt, dass wir uns bald wiedersehen und er hat so heftig reagiert wie nie zuvor. Er hat wirklich viel geweint und gerufen, dass er mit will. Er war ganz und gar aufgelöst; wir haben es nochmal zur Tür geschafft, das Zimmer abgesagt und uns ein schönes Wochenende zu viert gemacht. Alles kein Problem. Allein, ich verstehe nicht, was den Guten da so aus der Bahn geworfen hat. Sind eure Kinder begeisterte Fremdschlaefer oder am liebsten zu Hause? Schlaft ihr im Familienbett oder irgendwie sonst verteilt?

4. Woche same old same old

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Ich bin ein bisschen spät mit dem Bericht von letzter Woche wegen der allgemeinen Krankheit. Es ist nicht viel passiert, ich habe weiter ein bisschen geübt, mitfühlend zu sein aber ich merke, dass ich das ein bisschen schleifen lasse, es aufschiebe, auch, weil es mir im Moment meist ganz gut geht. Mein Journal vernachlässige ich und das ist auch Quatsch, denn es sind ja gerade die guten Zeiten, in denen man was tun sollte, damit man die schlechten Zeiten dämpfen, auffangen und besser durchleben kann. Aber wenn ich auch wenig in mich gegangen bin, so habe ich doch mit dem Löwen eine weite Reise von ziemlich weit unten bis wirklich ganz weit oben gemacht. Mit dem Zug zur Zuvorunbesuchten und es war supergut. Die Zugfahrt war natürlich anstrengend und mit Schienenersatzverkehr und Personenschaden (ja. Beamtensprech.), aber der Löwe und ich haben sie gut gelaunt und mit sehr vielen Salzbrezeln wunderbar überstanden. Es war für mich eine ziemlich bestärkende Erfahrung, dass ich für den rumsausenden Kerl tagelang quasi allein Sorgen kann, ohne meine gute Laune zu verlieren, sondern mit Spaß und vor Mutterkitsch triefendem Herzen. Und es war gut, die Person mit der ich so viel geteilt und geschrieben habe und die mein Herz erobert hat in echt zu sehen und sie ein bisschen zu beschnuppern. Dass ich mich das getraut habe war gut und es hat sich gelohnt und Lust gemacht auf mehr Besuche und wilde Pläne. Das darf man über all dem Meditieren ja nicht vergessen!

Diese Woche trotzdem wieder: Mehr sitzen und fühlen, die Achtsamkeitsübungen, die ich mache, wenn ich dem Löwen erzähle, was gerade passiert, beibehalten, und ab und zu eine Zeile ins Heft schreiben. Und den Sommer geniessen, solange er noch da ist.

Jemand Filme?

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Ich tausche oder verschicke auch einfach so folgende Dvds:

 

Graf Dracula von Dan Curtis

Hexenkessel von Scorsese

Christiane F. Wir Kinder von Bahnhof Zoo

True Romance von Tony Scott

No Man’s Land von Danis Tanovic

Trainspotting von Danny Boyle

Mother von Bon Joon-ho

 

Wer einen (oder mehrere) haben will, hinterlasse bitte einen Kommentar und dann machen wir den Rest

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